Obstbaum-Schneidekurs 2008

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GUD-Vorstandsmitglied Alfred Pritzl dankte dem Kreisfachberater Gerhard Altmann im Cafe „Am Hang“ mit einem Geschenk für den sehr informativen Vortrag.

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Im Obstgarten der Familie Pritzl in der Bahnhofstraße im Praxisteil ein Zwetschgenbaum in die „richtige Form“ gebracht.

Die „Gemeinschaft im Unteren Dorf“ führte am Samstag erstmals für den Bereich Hohenwarth einen Obstbaum-Schnittkurs durch, der mit 32 Teilnehmern ausgezeichnet besetzt war. Kreisfachberater Gerhard Altmann vom Landratsamt Cham war ein überzeugender Referent und zwar in Theorie und Praxis.

Die GUD hatte diesen Schnittkurs arrangiert, der um 9 Uhr im Cafe „Am Hang“ (Schmuderer) mit einer zweieinhalbstündigen Theorie-Einführung begann. Kreisfachberater Gerhard Altmann vom Landratsamt Cham stellte sich vor, dankte der „Gemeinschaft im Unteren Dorf“ für die Vorbereitung und ausgezeichneten Besuch.

Altmann wies eingangs darauf hin, dass jeder Gartenbesitzer immer wieder vor der Frage stehe, wann und wie er seine Obstbäume und Sträucher schneiden soll, denn es hat sich herumgesprochen, dass quantitativer und qualitativer Erfolg sehr weitgehend von Schnittmaßnahmen beeinflussbar sind.

Nur sieht man aber leider beim Blick über die Zäune, dass in vielen Fällen durch falsche Schnittpraktiken mehr Schäden als Nutzen verursacht wird. Auch darf der Gartenbesitzer natürlich nicht in die falsche Meinung verfallen, dass durch Schnittmaßnahmen allein gute Erträge zu erzielen sind. Bodenbearbeitung, Düngung und Pflanzenschutzmaßnahmen müssen in jedem Fall ergänzend hinzutreten.

Mit diesem Kurs, so Fachmann Altmann, soll dem Gartenbesitzer eine Grundlage für den Schnitt von Obstgehölzen gegeben werden und zwar in Theorie und Praxis. Im eigenen Garten kann das erworbene Wissen dann entsprechend vertieft werden.

Der Referent erläuterte in sehr ansprechender und praxisnaher Weise Grundlagen und Begriffe wie den Aufbau eines Obstbaumes, Triebe und Knospen, die Gesetze der Schnittwirkung mit den entsprechenden Entwicklungsperioden der Obstbäume.

Demnach ist der Stamm das Traggerüst. Seine Höhe beeinflusst nicht nur die Pflegemaßnahmen, sondern auch das Wachstum und die Fruchtentwicklung. Im Allgemeinen gilt: je niedriger der Stamm, desto leichter sind die Pflegemaßnahmen auszuführen und desto schneller setzen die Erträge ein. Für die Kronenbildung genügen drei Leitäste, der Vorteil besteht in einer besseren Belichtung. Den Leitästen untergeordnet sind die Fruchtäste, die möglichst flach abwärts wachsen sollen.

Dann ging der Kreisfachberater auf „Technik und Hilfsmittel“ ein. Schnittwerkzeuge und Technik des Schneidens haben hier den entsprechenden Stellenwert. Auf gutes Werkzeug ist besonderer Wert zu legen. Falsches Werkzeug führt zu Verzögerungen bei der Arbeit und schlechter Zustand der Geräte bringt oftmals Fransen- oder Quetschschnitte, die schlecht verheilen. Die häufigste Form des Rückschnitts ist der Schnitt über den Knospen. Durch den Rückschnitt eines Triebes werden die Seitenknospen gezwungen, auszutreiben. Um einen kräftigen Austrieb zu bekommen, müssen die meist recht schwach entwickelten vorzeitigen Triebe entfernt werden.

Der Sprecher ging auch auf die Entwicklungsperioden der Obstbäume ein, die in Jugend-, Ertrags- und Alterperiode eingestuft werden können.

Die wichtigste Aufgabe des Schnittes ist es, ein Gleichgewicht zwischen Triebwachstum und Ertrag herzustellen und in sehr anschaulicher Weise zeigte Altmann hier die wichtigsten Faktoren am Overhead-Schirm und demonstrierte dies auch sehr praxisnah an einem Jungbaum, so wie er in der Baumschule gekauft werden kann.

Es gab auch Hinweis zum Schnitt an Steinobst und an Beerensträuchern. Altmann zeigte häufig auftretende Schnittprobleme auf und wie sie gemeistert werden können.

Überraschend war für die Teilnehmer der Hinweis, dass die Obstgehölze in der Zeit der Vegetationsruhe, also von November bis März, geschnitten werden. Bei Temperaturen unter sechs Grand Celsius minus sollte man aufhören, weil das Holz brüchig wird. Der Landratsamtvertreter zeigte auf, dass die Gehölze bei einem Auslichtungsschnitt im Herbst nach der Ernte keinen Schaden erleiden. Hier flossen auch entsprechende Pflanzhinweise, Veredelungsmaßnahmen und Ausführungen auf Krankheiten (Feuerbrand) mit ein.

Altmann resümierte: „Ziel eines Pflanz- und Erziehungsschnittes ist es, ein tragfähiges Astgerüst heranzubilden. Durch richtiges Schneiden und Formieren soll eine Krone aufgebaut werden, die auch mit zunehmender Baumgröße eine günstige Belichtung und damit qualitativ hochwertige Früchte bringt – nach der Pflanzung ist alljährlich mindestens bis zum 6. bis 8. Standjahr ein gezielter Erziehungsschnitt erforderlich“.

Gerhard Altmann bekann viel Applaus für seinen sehr praxisorientierten Vortrag, die Teilnehmer zeigten sich angetan.

GUD-Vorstandsmitglied Alfred Pritzl dankte dem Referenten für die „Qualität des Vortrages“ mit einem Geschenk.

Anschließend trafen sich die Teilnehmer zum zweiten Teil „Praxis“ im Obstgarten der Familie Alfred und Monika Pritzl in der Bahnhofstraße. Hier wurde unter Anleitung von Kreisfachberater Gerhard Altmann ein Zwetschgenbaum dann in die „richtige Form“ gebracht.